In den Aufbaujahren der Nachkriegszeit war es nicht leicht, Käufer für Bilder
zu finden, als allenthalben Mangel herrschte an den Dingen des täglichen
Lebens. In der Erinnerung an jene Zeit sprach er gerne von
„Speckbildern“.
Friedrich Hartmann ist es zu verdanken, dass der Mühlenstumpf der in Brand
geschossenen Westmühle nicht abgebrochen wurde. Hier richtete er auf Dauer
sein Atelier ein, hier fand er während der ersten Jahre auch Wohnung für seine
Familie. Der Mühlenstumpf wurde mit einem flachen Dach versehen, erhielt
einen Regen abweisenden Ölfarbanstrich, darauf wurde das übermannshohe Bild des
Evangelisten Lukas, der als Patron der Maler und Künstler gilt, gemalt.
Das
Atelier stand Besuchern stets offen. Als freischaffender Künstler lebte
Friedrich Hartmann vom Verkauf seiner Bilder, doch stand das Geschäft nie im
Vordergrund.
Das
Lebenswerk des Künstlers ist kaum überschaubar. Sehr breit ist die Palette
seiner künstlerischen Tätigkeit. Als Maler hat er einen eigenen und wohl
unverwechselbaren Stil entwickelt, der gleichwohl keineswegs einer Technik
allein verpflichtet war. Es reizte ihn immer wieder, Neues auszuprobieren. Da
sind Ölgemälde mit durchweg selbst angemischten Erdfarben, Aquarelle, Kreide,
Collagen, Radierungen, Linolschnitte, Beizbilder auf Holz unter Ausnutzung der
Maserung zur Bildgestaltung, Bühnenbilder, Ziegelmosaiken an sakralen und
profanen Bauten (z. B. Kreuzweg und Altarrückwand in der kath.
Pfarrkirche St.
Christophorus in Hamburg – Lohbrügge oder in der ehemaligen Berufsschule in
Emden), Glasfenster in der
Kapelle des Marienkrankenhauses in Nordhorn, in der ev.-ref. Kirche in
Gildehaus oder in der Kreuz-Christi-Kirche in Münster-Amelsbühren, Plastiken
aus Ton oder Bronze, z.B. Altar, Ambo, Tabernakel, Kronleuchter etc. in der
Kapelle des Marienkrankenhauses, 5-armige Leuchter in der ev.-ref. Kirche in
Gildehaus, die Tür der Friedhofskapelle in Schüttorf und nicht zu
vergessen der sog. „Herrgott von Bentheim“ etc.
Vielseitig sind auch die Themen seiner Gemälde:
Landschafts- und architektonische Motive, Bilder mit geschichtlichem
Hintergrund (hier vor allem Bauzeugen der Stauferzeit), Portraits, Märchen,
religiöse oder auch mythologische Themen und musikalische Impressionen. Viele
Jahre stellte er seine Werke einem großen Publikum an einem Adventssonntag in
Gronau im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche in einer Matinee vor.
„Licht und Dunkelheiten in ihrem Widerstreit und Widerspiel charakterisieren
die Bildwerkauffassung Hartmanns, in der Wuchtigkeit des Elementaren und in
der Stärke seiner Handschrift eindrucksvolle Zeichensetzungen, die mahnen und
zur Auseinandersetzung auffordern sollen“ (Dr. Eichhorn, Landesmuseum Emden).
Friedrich Hartmann war mehr als ein halbes Jahrhundert in Gildehaus tätig und
hat an vielen Orten so reiche künstlerische Werke hinterlassen. "Sein Stuhl
in der Lukasmühle, dem Ort seines Wirkens, ist und bleibt nun leer", so
schreibt Pastor Rolf Krebs in einem Beitrag im Bentheimer Jahrbuch 2002 aus
Anlass des Todes
des Künstlers, in dem er das Leben und die Werke Friedrich Hartmanns
beschreibt, und führt weiter aus: „ Die Mühle wird zum Museum, zur Stätte der
Erinnerung an einen Menschen, der vielen eine Hilfe war und dessen Werk mit
seiner umfassenden Aussagekraft bestehen bleibt, seine ihm eigene Bedeutung
und Wesentlichkeit behält über seinen Tod hinaus – als ein Vermächtnis für
die, die zurückbleiben und nach ihm kommen.“